Jiu-Jitsu.

Es bietet ein breites Spektrum von Möglichkeiten zur Selbstverteidigung, unter anderem durch Stärkung des Selbstbewusstseins. Jiu Jitsu ist zudem für alle Altersgruppen und Geschlechter geeignet!

Es gibt in Japan nicht das Ju-Jitsu, sondern nur verschiedne Stile, dessen was wir unter Ju-Jitsu verstehen. Sie waren bestimmten Familienclans zugeordnet und wurden innerhalb dieser Familien gelehrt und weitergegeben. Auch standen lange Zeit nicht die waffenlosen Techniken im Vordergrund eines Stiles. Unsere heutige Auffassung entstand erst während der Meiji-Restauration, als das Waffen und Rüstungen tragen immer mehr eingeschränkt wurde und somit die Waffen an Bedeutung verloren. So wurden sie vom Kriegshandwerk zur Selbstverteidigung.

Oft studierten die Lehrer auch andere Stile oder ihre Auffassung und ihr Verständnis wurden stark durch bewaffnete Bujutsu-Stile oder religiöse und soziale Erfahrungen geprägt, und sie veränderten und erweiterten ihren Stil und benannten ihn schließlich um. Beispiel hierfür sind das Judo und das Aikido.

Die ersten Ringkampfähnlichen Nahkampfmethoden bildeten sich im 14.Jhd. im Muso Jikiden-Ryu und Tenshin Shoden Katori Shinto-Ryu. Über die folgenden Jahrhunderte hinweg entwickelte sich das Ju-Jitsu parallel zu den Waffensystemen der diversen Stile. 1616 gründete Oguri Niemon das Ogury-Ryu und passte die waffenlosen Techniken den Bedingungen eines Kampfes in Straßenkleidung an und nannte diese Wajutsu. Beim von Ushu Tatewaki gegründeten Yagyu Shingan-Ryu traten erstmals die waffenlosen Techniken in den Vordergrund. Ende des 17.Jhd. trat erstmals der Begriff Ju-Jitsu als Überbegriff für drei Systeme (Fukuno-Ryu, Miura-Ryu, Isogai-Ryu) auf, die sich unter starken chinesischen Einflüssen seit 1659 aus dem Kito-Ryu entwickelten. Mitte des 19.Jhd. verloren Traditionelle Dinge in Japan an Bedeutung und es setzte eine Welle der „Verwestlichung“ ein, so dass auch das Ju-Jitsu einen Niedergang erfuhr.

Im Jahre 1882 gründete, beeinflusst durch den Kito-Ryu und den Tenshin-Shinyo-Ryu und ermuntert von dem in Japan lehrenden deutschen Prof. Baelz, Jigoro Kano den und schuf das Kodokan-Judo. Wie Funakoshi beim Karate und Uyeshiba beim Aikido, lehnte Kano zunächst den Wettkampf ab und sah im Judo nur den erzieherischen Wert. Trainiert wurde Randori und Kata, wobei das Randori für Kano den größten Stellenwert besaß. Außerdem führte Kano das Goshinjitsu ein, welches für ihn die technische Meisterschaft und die Praxis des Judo verkörperte. Bei den Waffen forderte er die Beherrschung von Messer, Stock, Pistole und dem Schwert.

Ueshiba hatte bereits seit seiner Kindheit Erfahrungen im Sumo und verschiedenen Ju-Jitsu-Stilen (Kodokan Judo, Kito-Ryu, Shinkage-Ryu, Yagyu-Ryu) gemacht, als er 1915 auf Hokkaido Takeda Sogaku, den Großmeister des Daito-Ryu-Aiki-Jitsu traf und sein Schüler wurde. Sehr großen Einfluß auf seinen Stil hatte auch das Zusammentreffen mit Deguchi Onisaburo, dem Führer der Omoto-Kyo-Sekte, dessen Schüler er 1917 wurde. 1927 eröffnete er eine Schule in Tokyo und 1931 das Kobukan. Er nannte seinen Stil erst Aiki-Jitsu, dann Aiki-Budo und schließlich nach seinem Umzug 1942 nach Iwama Aikido. Das Techniksystem des Aikido besteht aus Nage-Waza (wurf-Techniken), Osae-Waza (Haltetechniken) und ergänzend aus Atemi-Waza (Schlagtechniken) in verschiedenen Anwendungsformen mit und ohne Waffen. Neben den Techniken lehrte Ueshiba auch ein System von Lauten, Bija genannt, in denen sich das Ki manifestieren sollte (Kotodama). Dieses System ist jedoch kaum noch bekannt und wird nur noch selten gelehrt.

In Japan werden heute drei Gruppen von Ju-Jitsu-Stilen unterschieden:

  1. Traditionelle japanische Stile (z. B. Tenshin-Shinyo-Ryu, Yoshin-Ryu)
  2. Neuere japanische Stile (Goshin-Jitsu) ab der Meiji-Zeit (z. B. Judo, Aikido, Hakko-Ryu, Nihon-Ryu, Nihon Ju-Jitsu)
  3. Stile, welche von Nichtjapanern gegründet wurden und über eigene Prüfungsverfahren, Konzepte und Graduierungen verfügen (Gaijin Goshin-Jitsu, z. B. Ju-Jutsu, Matsuyama-Ryu, Esdo und die meisten deutschen Verbände)

Michael Hoffmann

1906 nach dem russisch-japanischen Krieg kamen zwei japanische Kreuzer nach Deutschland. Es fand eine Ju-Jitsu-Vorführung vor Kaiser Wilhelm II. statt, worauf dieser sofort einen Ju-Jitsu-Lehrer für das Militär engagiert. Etwa zu gleicher Zeit sind einige Ju-Jitsu-Lehrer privat in Deutschland. Der bedeutenste Schüler dieser Japaner, Erich Rahn gründet 1906 die erste Ju-Jitsu-Schule in Berlin. Erich Rahn bildet in den folgenden Jahren Polizisten und Soldaten aus.

1922 gründet Alfred Rhode den ersten deutschen Jiu-Jitsu-Club in Frankfurt am Main. Im selben Jahr werden noch weitere Vereine gegründet. Erich Rahn erringt die „erste deutsche Professional Meisterschaft im Jiu-Jitsu“.

1924 wird der Reichsverband für Jiu-Jitsu gegründet.

1925 wird „Jiu-Jitsu“ in das Arbeitsprogramm der deutschen Hochschule für Leibesübungen aufgenommen. Es kommt zur Trennung zwischen Berufskämpfern und Amateuren. Dies war der Anfang der Zersplitterung des Ju-Jitsu in Deutschland.

1926 finden die ersten deutschen Einzelmeisterschaften im Jiu-Jitsu statt.

1932 wird der Deutsch Judo Ring gegründet.

1933 wird das „Jiu-Jitsu“ unter der Sparte Judo in das Fachamt Schwerathletik des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen eingegliedert.

Bis 1939 erschienen bereits 44 Lehrbücher über Ju-Jitsu in deutscher Sprache.

Nach dem zweiten Weltkrieg ist „Jiu-Jitsu“ Bestandteil des Judo und der Judoprüfungen. In der BRD bis zur Einführung des „Ju-Jutsu“ im DJB 1967 und in der DDR bis 1991.

Aufgrund der Fortsetzung der historischen Entwicklung in Japan (lernen verschiedener Stile und Entwicklung eines eigenen) kommt es auch in Deutschland zu einer Zersplitterung der Kampfkünste und insbesondere des Ju-Jitsu. Es lassen sich vier große Richtungen unterscheiden:

  1. „Deutsches Jiu-Jitsu“, welches sich auf Erich Rahn zurückführen lässt und mit Ringen, Catchen und Boxen vermischt ist. Hier ist zum Beispiel der Jiu-Jitsu-Ring Erich Rahn zu nennen.
  2. Jiu-Jitsu, welches hauptsächlich durch Judoka vertreten wird und Judotechniken als Grundlage hat. Vertreten wird diese Richtung z.B. von der Deutschen Jiu-Jitsu Union und dem Kodokan Jiu-Jitsu Verband.
  3. Traditionelle japanische Ju-Jitsu-Stile wie z.B. Daito-Ryu, Hakko-Ryu oder Tenshin-Shinyo-Ryu. Dieser Bereich ist in Deutschland im Vergleich zum Europäischen Umland relativ klein.

Außerdem gibt es noch die modernen Stile, wie z.B. Ju-Jutsu, Esdo, Wendo u.ä..

Für die Unübersichtlichkeit des Kampfsportsektors in Deutschland ist neben der Zerspliterrung auch die Nomenklatura verantwortlich. Die Verwirrung rührt aus der Umschreibung der japanischen Schriftzeichen in lateinische (bzw. damals deutsche) Schrift her. So wurde das Schriftzeichen in der englischen Aussprache nach Dschiu oder Jiu und später nach der Heburn-Umschrift Ju umgeschrieben (ebenso sind jitsu und jutsu verschiedene Umschriften des selben japanischen Schriftzeichens). Nun hatten sich in Deutschland bestimmte Schreibweisen für bestimmte Systeme eingebürgert, bzw. wurden andere Umschreibungen mit anderem Leben erfüllt. So hat sich in Deutschland für die unter 1. und 2. fallenden Stile der Begriff „Jiu-Jitsu“ eingebürgert. Diese Stile stehen nicht in der Tradition japanischer Stile sondern sind von Japan unabhängig. Zum 3. Bereich sind objektiv betrachtet auch die meist wegen ihrer Größe und anderer Zielsetzungen als eigenständig geltenden Ju-Jitsu-Stile Judo und Aikido zu nennen. Damit macht dieser Bereich dann jedoch auch in Deutschland den größten Teil aus. Das 1967 vom DDK entwickelte Selbstverteidigungsystem, welches Ju-Jutsu genannt wurde, zählt dagegen zu den modernen Systemen, die in keiner Beziehung zu Japan stehen.

Michael Hoffmann

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